Nachdem mein langgedienter Ubiquiti ER-X nach einem Firmware-Update nicht mehr zum Leben erwachte, bestellte ich kurzerhand einen tp-link ER605 beim großen A. Dieser war lagernd und sollte am nächsten Tag eintreffen.

Nach der Installation und zahlreichen nicht funktionierenden Konfigurationsversuchen sowie Recherchen im Netz stellte sich dann aber heraus, dass der ER605 nur mit NAT zu betreiben ist, was im Fall meiner etwas speziellen Internet-Konfiguration (Magenta bzw. T-Mobile Kabelmodem) nicht funktioniert: Hier muss am Kabelmodem zwingend ein Router hängen, der via DHCP seine Adresse bezieht – sonst klappt der Zugang nicht. Hat man aber – so wie ich – zusätzliche fixe IP-Adressen für Server etc., so kann man erst einem dahinter geschalteten Firewall-Router die eigenen fixen Adressen zuordnen und diese auch nutzen.
Nachdem ich schon aufgeben wollte und bei einem misslungenem Reset-Versuch auch noch den neuen tp-link Router „gebricked“ hatte, stolperte ich dann doch noch über eine Anleitung, wie man den ER605 via Direktanschluss (!) eines Netzwerkkabels an einen PC erneut mit Firmware versorgen kann – nicht so wie beim Ubiquiti nur via seriellem Terminal und TFTP:
- Man ändert die IP-Adresse des PCs auf 192.168.0.20
(oder ähnlich, nur nicht .10) - Man drückt und hält die Reset-Taste und steckt den Router an.
- Wartet, bis der Port, an dem das Netzwerkkabel angesteckt ist, leuchtet.
- Lässt die Reset-Taste los.
- Startet einen Browser und verbindet sich mit der Adresse 192.168.0.10
- Eine Web-Oberfläche mit der Option zum Upload der Firmware erscheint.
- Flashen, warten, Router bootet – und ist wieder auf Werkszustand.
Erstes Problem behoben, aber immer noch ein Router „mit ohne“ NAT…. 😉
Zum Glück gibt es mittlerweile OpenWrt auch für den tp-link ER605
Die Installation ist allerdings etwas tricky – zuerst das individuelle Root-Passwort für den ER605 berechnen, via SSH den root-Zugang aktivieren, einen alternativen Bootloader installieren und dann das OpenWrt-Betriebssystem raufladen. Dank der ausführlichen online-Anleitungen hat das alles aber auf Anhieb funktioniert – super!
Bootloader-Anleitung und Passwortgenerator:
https://github.com/chill1Penguin/er605v2_openwrt_install/?tab=readme-ov-file
https://chill1penguin.github.io/er605v2_openwrt_install/er605rootpw.html
OpenWrt runterladen und flashen:
https://downloads.openwrt.org/releases/23.05.0/targets/ramips/mt7621/openwrt-23.05.0-ramips-mt7621-tplink_er605-v2-squashfs-sysupgrade.bin
Nach dem erstmaligen Login die IP-Adressen konfigurieren (WAN bleibt auf DHCP) und den Port mit dem Kabel zur Firewall nicht in der Konfiguration am internen Switch zugeordnet lassen (Standardeinstellung von OpenWrt), sondern explizit an einen LAN Port konfigurieren.
Dann noch unnötige Services wie DHCP-Server und Firewall dekativieren, den Router neu starten und – er routet einfach. Ohne wenn und aber.
Sicherheitshalber habe ich dann noch den SSH-Zugang am WAN-Port deaktiviert und (mittels SSH-Zugang über den LAN-Port) die Webkonfigurationsoberfläche überhaupt deaktiviert – die kann man ja jederzeit wieder via SSH aktivieren:
/etc/init.d/uhttpd disable
/etc/init.d/uhttpd stop
Die Performance vom ER605 ist voll OK, ich erziele jetzt mit meinem 300/30 MBit-Zugang Downloadraten von 30 – 45 MByte/Sekunde.
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